Graziella Mimic

New Work: Wer war noch nie­mals in New Work?

29. 05. 2024

Lesedauer: 7 Minuten

New Work hat sich defi­ni­tiv eta­bliert – über­all sieht man nur noch zufrie­de­ne Arbeit­neh­mer in anre­gen­den Büro­um­ge­bun­gen. So den­ken vie­le. Doch ist dem wirk­lich so? Ist die neue Arbeits­phi­lo­so­phie aller­orts umge­setzt? Und gibt es fort­an nur noch glück­li­che Mit­ar­bei­ter? Oder gibt es viel­leicht noch Luft nach oben?

In einer Welt, die sich stän­dig ver­än­dert und immer stär­ker von Tech­no­lo­gie und Glo­ba­li­sie­rung geprägt ist, wan­delt sich die Art und Wei­se, wie wir arbei­ten. Die­ser Wan­del wird meist als „New Work“ bezeich­net. Unter die­sem Begriff ver­steht man eine neue Her­an­ge­hens­wei­se an Arbeit, Orga­ni­sa­ti­on und Unter­neh­mens­kul­tur.

Was genau ist New Work?

Die New-Work-Phi­lo­so­phie basiert auf den Ideen des öster­rei­chi­schen Sozi­al­phi­lo­so­phen Fri­th­jof Berg­mann und sieht vor, tra­di­tio­nel­le Arbeits­struk­tu­ren und ‑prak­ti­ken infra­ge zu stel­len und neue, fle­xi­ble­re Model­le zu schaf­fen, bei denen der Mensch im Mit­tel­punkt steht. Beson­de­re Merk­ma­le zeich­nen das Kon­zept aus. Vor allem wer­den Selbst­be­stim­mung und Eigen­ver­ant­wor­tung groß­ge­schrie­ben. Mit­ar­bei­ter genie­ßen mehr Frei­heit bei der Gestal­tung ihrer Arbeit, was etwa in fle­xi­ble­ren Arbeits­zei­ten oder die Mög­lich­keit zur Tele­ar­beit Aus­druck fin­det. Zudem wer­den sie stär­ker in Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­ge­bun­den.

Selbst­be­stim­mung und Eigen­ver­ant­wor­tung:
Sie wer­den bei New Work
groß­ge­schrie­ben.
Agi­li­tät: New Work braucht
agi­le Arbeits­me­tho­den sowie eine Kul­tur des
fort­dau­ern­den Ler­nens und stän­di­gen Ver­bes­serns.

Nicht nur Geld ver­die­nen

Fer­ner ist ein wich­ti­ger Aspekt von New Work die Sinn­haf­tig­keit. So soll­te Arbeit nicht ledig­lich ein Mit­tel zum Geld­ver­die­nen sein, son­dern auch per­sön­li­che Erfül­lung bie­ten. Unter­neh­men, die New-Work-Prin­zi­pi­en umset­zen, bemü­hen sich daher oft dar­um, eine posi­ti­ve Unter­neh­mens­kul­tur zu schaf­fen und sor­gen dafür, dass Mit­ar­bei­ter einen tie­fe­ren Sinn in ihrer Auf­ga­be sehen.

Eben­so wich­tig sind Zusam­men­ar­beit und Ver­net­zung über Hier­ar­chie­ebe­nen und Abtei­lungs­gren­zen hin­weg. Rea­li­sie­ren lässt sich dies durch den Ein­satz von digi­ta­len Kol­la­bo­ra­ti­ons­tools oder die Schaf­fung von offe­nen Arbeits­um­ge­bun­gen.

Und weil in der heu­ti­gen Welt Orga­ni­sa­tio­nen fle­xi­bel und anpas­sungs­fä­hig sein müs­sen, kommt Agi­li­tät eine zen­tra­le Bedeu­tung zu. New Work braucht agi­le Arbeits­me­tho­den sowie eine Kul­tur des fort­dau­ern­den Ler­nens und stän­di­gen Ver­bes­serns.

Ist New Work wirk­lich eta­bliert?

Das ist die Welt, wie sie sein soll­te. Doch wie sieht es in Wirk­lich­keit aus? Haben Unter­neh­men New Work wirk­lich umge­setzt, und zwar auf alle Ebe­nen? „Das gro­ße Ver­spre­chen hat sich nicht erfüllt, New Work ist gran­di­os geschei­tert“, ant­wor­ten der Anbie­ter für cross­me­dia­le Medi­en­be­ob­ach­tung und Medi­en­ana­ly­se press­re­la­ti­ons und die Zukunfts­for­scher von Zukunfts­in­sti­tut Work­shop in der gemein­sa­men Stu­die „Arbeits­re­port 2024“. Die Medi­en­ana­ly­se, die die­ser Stu­die zugrun­de liegt, zeich­ne ein ernüch­tern­des Bild der aktu­el­len Arbeits­welt. Ob Job-Zufrie­den­heit, die Loya­li­tät zum Arbeit­ge­ben­den oder die men­ta­le Gesund­heit – all dies sei auf einem his­to­ri­schen Tief­stand.

Sinn­haf­tig­keit: Unter­neh­men, die
New-Work-Prin­zi­pi­en erfolg­reich umset­zen, sor­gen dafür, dass
Mit­ar­bei­ter einen tie­fe­ren Sinn in ihrer Auf­ga­be sehen.
Gran­di­os geschei­tert? Ob Job-Zufrie­den­heit,
die Loya­li­tät zum Arbeit­ge­ber oder die men­ta­le Gesund­heit – all dies sei laut man­chen Exper­ten auf einem his­to­ri­schen Tief­stand.

Die­se Unzu­frie­den­heit mit den vor­herr­schen­den Bedin­gun­gen in der Arbeits­welt sei deut­lich, mei­nen die Stu­di­en­ver­fas­ser – immer­hin woll­ten 40 Pro­zent der Arbeit­neh­men­den glo­bal in naher Zukunft ihren Job kün­di­gen (World Eco­no­mic Forum 2023). „Die Erup­tio­nen auf den Arbeits­märk­ten zeig­ten sich in zahl­rei­chen, neu­en Begrif­fen, die in der Stu­die erfasst und in Form ihrer media­len Ver­brei­tung gezählt wur­den“, berich­ten sie. „Je häu­fi­ger ihre Nen­nung, des­to grö­ßer ist ihre Rele­vanz als Trend­in­di­ka­to­ren.“

Zu die­sem „Glos­sar des Grau­ens“, wie es die Stu­di­en­au­toren nen­nen, gehö­ren unter ande­rem Begrif­fe wie das Quiet Quit­ting – heißt, gera­de noch so viel im Job tun, wie unbe­dingt nötig ist, um nicht auf­zu­fal­len und gefeu­ert zu wer­den –, sowie das Job-Ghos­ting: erst gar nicht zum Bewer­bungs­ge­spräch kom­men oder von heu­te auf mor­gen ohne Ankün­di­gung nicht mehr am Arbeits­platz erschei­nen –, oder das Cli­ma­te Quit­ting – aus öko­lo­gi­schen Grün­den den Job kün­di­gen, wenn das Unter­neh­men ein umwelt­schä­di­gen­des Geschäfts­mo­dell hat oder Green­wa­shing betreibt.

In der Tat bringt die rich­ti­ge Umset­zung der New-Work-Phi­lo­so­phie gro­ße Her­aus­for­de­run­gen mit sich. Nicht alle Unter­neh­men sind bereit, von tra­di­tio­nel­len Arbeits­mo­del­len abzu­wei­chen, und es kann Wider­stand gegen Ver­än­de­run­gen geben. Dar­über hin­aus erfor­dert New Work Inves­ti­tio­nen in Tech­no­lo­gie und Wei­ter­bil­dung. Die­se kann sich nicht jeder Betrieb leis­ten.

Die Umset­zung von New Work beginnt mit der Unter­neh­mens­kul­tur

Meist stellt die Ver­än­de­rung der Unter­neh­mens­kul­tur eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen bei der Ein­füh­rung von New Work dar. In der Regel sind tra­di­tio­nel­le Betrie­be häu­fig von hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren geprägt, in denen Anwei­sun­gen und Befeh­le von oben nach unten flie­ßen. Der Über­gang zu einer Kul­tur der Selbst­be­stim­mung, Kol­la­bo­ra­ti­on und Eigen­ver­ant­wor­tung macht ein Umden­ken unab­ding­bar, der aller­dings auf gro­ßen Wider­wil­len sto­ßen kann.

Vir­tu­el­le füh­rung

Spe­zi­ell Füh­rungs­kräf­te befürch­ten einen Kon­troll- und Macht­ver­lust. Hin­zu kommt, dass New Work von ihnen beson­ders viel abver­langt. Bei­spiels­wei­se hin­sicht­lich vir­tu­el­ler Füh­rung, denn in Zei­ten des hybri­den Arbei­tens erle­di­gen vie­le Wis­sens­ar­bei­ter ihre Auf­ga­ben teil­wei­se zu Hau­se. Somit müs­sen sich Füh­rungs­kräf­te neue Fähig­kei­ten aneig­nen und neue Kom­pe­ten­zen ent­wi­ckeln, um ihre Teams in einer selbst­be­stimm­ten Umge­bung zu füh­ren. Zuneh­mend wer­den sie zu Coa­ches für die Mit­ar­bei­ter.

Doch auch Letz­te­re sind nicht immer offen für Ver­än­de­run­gen. Manch einer fühlt sich in einem Umfeld, das mehr Eigen­ver­ant­wor­tung erfor­dert, nicht mehr wohl. Daher gilt es für Unter­neh­men, früh­zei­tig dafür zu sor­gen, dass ihre Mit­ar­bei­ter aktiv ein­ge­bun­den wer­den, even­tu­el­le Befürch­tun­gen oder Beden­ken zum Aus­druck brin­gen und den Anschluss zu Kol­le­gen und Vor­ge­setz­ten nicht ver­lie­ren.

Eins soll­te man dabei eben­falls berück­sich­ti­gen: In einer dezen­tra­len Arbeits­um­ge­bung, in der Mit­ar­bei­ter mög­li­cher­wei­se an ver­schie­de­nen Stand­or­ten oder sogar in ver­schie­de­nen Zeit­zo­nen arbei­ten, kön­nen sich Kom­mu­ni­ka­ti­on und Zusam­men­ar­beit schwie­rig gestal­ten. Auch hier soll­ten Unter­neh­men sicher­stel­len, dass die ein­ge­setz­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le und ‑pro­zes­se Kol­la­bo­ra­ti­on und Infor­ma­ti­ons­aus­tausch bes­tens unter­stüt­zen.

Wider­stand: Nicht alle Unter­neh­men sind bereit, von tra­di­tio­nel­len Arbeits­mo­del­len abzu­wei­chen.
Füh­rungs­kräf­te: Von ihnen ver­langt New Work beson­ders viel ab. Sie müs­sen sich neue Fähig­kei­ten aneig­nen und neue Kom­pe­ten­zen ent­wi­ckeln.

Um dies zu gewähr­leis­ten, gilt es, eine adäqua­te tech­no­lo­gi­sche Infra­struk­tur zu schaf­fen. Zum Ein­satz sol­len moder­ne Tech­no­lo­gien und Tools kom­men, die fle­xi­ble Arbeits­wei­sen, digi­ta­le Kol­la­bo­ra­ti­on und vir­tu­el­le Team­ar­beit ermög­li­chen. Dies kann sich aller­dings als eine Hür­de erwei­sen, wenn Unter­neh­men nicht über die not­wen­di­gen Res­sour­cen ver­fü­gen.

Arbeits­recht­li­che Aspek­te von New Work

Last, not least gilt es, arbeits­recht­li­che Aspek­te nicht zu ver­ges­sen. Denn die Ein­füh­rung von fle­xi­blen Arbeits­mo­del­len wie Home­of­fice, Tele­ar­beit oder Gleit­zeit kann eini­ge Fra­gen mit sich brin­gen. Spe­zi­ell mit Blick auf Arbeits­zei­ten, Über­stun­den oder den Schutz der Pri­vat­sphä­re der Arbeit­neh­mer sind Unter­neh­men in der Pflicht. Idea­ler­wei­se sor­gen sie nicht nur dafür, dass sie den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spre­chen, son­dern beach­ten dabei eben­so die Bedürf­nis­se und das Wohl­erge­hen ihrer Beleg­schaf­ten.

Es sind vie­le Hür­den, die Unter­neh­men bei der Umset­zung von New Work neh­men müs­sen. Gelingt es ihnen jedoch, alle Hin­der­nis­se aus dem Weg zu räu­men und alle Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern, sind sie in der Lage, die Vor­tei­le die­ser neu­en Arbeits­phi­lo­so­phie voll aus­zu­schöp­fen. Dazu zäh­len eine höhe­re Mit­ar­bei­ter­zu­frie­den­heit, bes­se­re Leis­tun­gen und grö­ße­re Inno­va­ti­ons­kraft. Und nicht zuletzt kön­nen sie sich auch als attrak­ti­ve Arbeit­ge­ber posi­tio­nie­ren und die drin­gend gesuch­ten Fach­kräf­te anzie­hen.



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