Graziella Mimic

Deut­sche Start­ups kämp­fen mit Kapi­tal­man­gel

11. 07. 2023

Lesedauer: 3 Minuten

Deut­sche Start­ups sehen sich auf­grund der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung mit einer star­ken Zurück­hal­tung sei­tens der Inves­to­ren kon­fron­tiert. Zu die­sem Schluss kommt eine Bit­kom-Befra­gung. Vie­le Start­ups den­ken sogar dar­über nach, ins Aus­land zu gehen.

Der­zeit suchen die meis­ten deut­schen Start­ups nach fri­schem Kapi­tal, doch Inves­to­ren zei­gen sich eher zurück­hal­tend. Das ergab eine nicht reprä­sen­ta­ti­ve, aber aus­sa­ge­kräf­ti­ge Umfra­ge von Bit­kom Rese­arch im Auf­trag des Digi­tal­ver­bands Bit­kom unter 203 Tech-Start­ups.

Dabei wur­den fol­gen­de Fra­gen gestellt: “Wie schätzt ihr den Kapi­tal­be­darf für euer Start­up in den nächs­ten zwei Jah­ren ein?”, “Ist die­ser Kapi­tal­be­darf bereits gedeckt oder benö­tigt euer Start­up dafür noch fri­sches Kapi­tal?”, “Wie wahr­schein­lich ist es, dass ihr die­ses Kapi­tal inner­halb der nächs­ten zwei Jah­re in Finan­zie­rungs­run­den ein­sam­meln wer­det?” und “Inwie­weit stimmt ihr den fol­gen­den Aus­sa­gen zu?”

Deut­sche Start­ups: Nur 3 Pro­zent ohne Kapi­tal­be­darf

Bei der Unter­su­chung gaben acht von zehn Start­ups (79 Pro­zent) an, dass Inves­to­ren auf­grund der kon­junk­tu­rel­len Ent­wick­lung deut­lich zurück­hal­ten­der gewor­den sind. Sie­ben von zehn Befrag­ten (71 Pro­zent) haben in den nächs­ten 24 Mona­ten Kapi­tal­be­darf, im Durch­schnitt beläuft sich die­ser auf 2,3 Mil­lio­nen Euro – im Ver­gleich zum Vor­jahr ein Rück­gang um fast ein Drit­tel von 3,3 Mil­lio­nen Euro. Ledig­lich drei Pro­zent der Start­ups gaben an, kei­nen Kapi­tal­be­darf zu haben, wäh­rend ein Vier­tel (25 Pro­zent) dazu kei­ne Anga­ben machen konn­te oder woll­te.

Immer­hin haben 17 Pro­zent der Start­ups mit Kapi­tal­be­darf die Finan­zie­rung für die nächs­ten zwei Jah­re bereits gesi­chert und ver­fü­gen über aus­rei­chend Geld. Den­noch sind mehr als drei Vier­tel (79 Pro­zent) immer noch auf der Suche nach Kapi­tal, und 14 Pro­zent von ihnen hal­ten es für unwahr­schein­lich, dass sie das benö­tig­te Geld auf­trei­ben kön­nen.

Bit­kom: “Zurück­hal­ten­de Inves­ti­tio­nen dür­fen Wachs­tum nicht brem­sen”

“Vie­le Start­ups muss­ten zuletzt ihre Kos­ten sen­ken und ihre Pro­fi­ta­bi­li­tät stei­gern, wodurch der durch­schnitt­li­che Kapi­tal­be­darf gesun­ken ist. Die Zurück­hal­tung der Inves­to­ren darf jedoch das Wachs­tum und die inter­na­tio­na­le Expan­si­on deut­scher Start­ups nicht aus­brem­sen”, sagt Niklas Velt­kamp, Mit­glied der Bit­kom-Geschäfts­lei­tung. “Auch die Poli­tik soll­te die Ent­wick­lun­gen in den kom­men­den Mona­ten genau ver­fol­gen und gege­be­nen­falls gegen­steu­ern.”

Um wei­te­res pri­va­tes Risi­ko­ka­pi­tal zu mobi­li­sie­ren, wur­den mit dem Start des DeepT­ech & Cli­ma­te Fonds sowie der Euro­pean Tech Cham­pi­ons Initia­ti­ve ers­te Schrit­te unter­nom­men. Es soll­ten jedoch Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen wer­den, damit neue Inves­to­ren­grup­pen wie Pen­si­ons­kas­sen oder Ver­si­che­run­gen ver­mehrt in Start­ups inves­tie­ren und von deren Wachs­tum pro­fi­tie­ren kön­nen. Zudem soll­te Deutsch­land als Fonds­stand­ort attrak­ti­ver wer­den, bei­spiels­wei­se durch die zeit­na­he Umset­zung der geplan­ten Umsatz­steu­er­be­frei­ung für Wag­nis­ka­pi­tal­fonds – ähn­lich wie in vie­len ande­ren EU-Mit­glieds­staa­ten.

Ein Drit­tel der Start-Ups denkt an Rück­zug aus Deutsch­land

Laut der Unter­su­chung sind der­zeit ledig­lich 32 Pro­zent der Grün­der­der Mei­nung, dass es in Deutsch­land aus­rei­chend Ven­ture Capi­tal gibt. Rund ein Drit­tel (34 Pro­zent) denkt sogar dar­über nach, mit ihrem Start­up ins Aus­land zu gehen, da ihnen in Deutsch­land zu wenig Kapi­tal zur Ver­fü­gung steht.

Ein Bör­sen­gang ist für die Mehr­heit der Start­ups der­zeit kei­ne Opti­on. Nur 31 Pro­zent hal­ten einen Gang an eine deut­sche Bör­se in Zukunft für mög­lich, wäh­rend 25 Pro­zent sich dies im Aus­land vor­stel­len kön­nen. “Um euro­päi­sche Start­up-Cham­pi­ons in Deutsch­land zu hal­ten, müs­sen wir den Kapi­tal­markt stär­ken und poten­zi­el­le Exit-Kanä­le aus­bau­en”, ist sich Velt­kamp sicher.

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